Aus dem BVDA

"In den Timelines der sozialen Medien sind vielfach Maß und Mitte verloren gegangen"

Bundestagsabgeordnete und Verbandsvertreter diskutieren beim BVDA-Hauptstadtfrühstück über Wege, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken

Bundestagsabgeordnete und Verbandsvertreter diskutieren beim BVDA-Frühstücksdialog "VITAL LOKAL". Foto: BVDA

Hass und Hetze in der Gesellschaft muss stärker Einhalt geboten werden; die lokalen Wochenblätter leisten mit ihrer redaktionellen Berichterstattung einen wichtigen Beitrag für Toleranz und das Miteinander der Menschen im Nahbereich. Dies ist eines der Ergebnisse aus den Gesprächen zwischen Politikern, Verbandsvertretern und Journalisten beim Frühstücksdialog "VITAL LOKAL" im Kaffeehaus Dallmayr in Berlin.

BVDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers bei seinem Impulsvortrag zum Spannungsfeld "Politik und Medien". Foto: BVDA

BVDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers analysierte in seinem Impuls zum Spannungsfeld "Politik und Medien" den Einfluss der Sozialen Medien auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt: "Jeder, der im Fokus der Öffentlichkeit steht – als Politiker, als Unternehmen oder als Verband – weiß, dass ein Shitstorm jederzeit losgetreten werden kann. Dabei reichen oftmals nur kleine Aufreger aus, die Unkenntnis über die Fakten eines Sachverhalts oder einfach auch nur eine emotionale Abneigung gegen das Objekt des Angriffs. Insofern kann es jeden treffen. Bereits früher mussten Menschen und auch Unternehmen, die einen tatsächlichen oder vermeintlichen Fehler begangen hatten, mit Kritik leben. Bei dieser Kritik zählte jedoch vor allem eines: Maß und Mitte. Blickt man heute in die Timelines von Facebook und Twitter, so scheinen Maß und Mitte vielfach verloren gegangen zu sein." Auch die Schmähungen und Bedrohungen von Politkern und Journalisten – online, aber auch physisch, hätten in einem Ausmaß zugenommen, das besorgniserregend sei. Dies sei nicht hinnehmbar – der Staat habe Rahmenbedingungen zu schaffen, die solche Auswüchse erschweren oder verhindern.

Dr. Jörg Eggers im Gespräch mit Ralph Lenkert, MdB und Simon Kretschmer, Geschäftsführer CORRECTIV. Foto: BVDA

Michael Simon, BVDA-Vizepräsident und Leiter des Arbeitskreises Redaktion erläuterte, wie die Anzeigenblätter mit ihren kontinuierlichen Berichten über das Ehrenamt einen wesentlichen Beitrag für den Zusammenhalt im Nahbereich leisten würden. Auch die verlagsübergreifende Aktion "Das geht uns alle an!" wurde von den Teilnehmern mit großem Interesse aufgenommen. Im vergangenen Jahr hatte diese BVDA-Initiative unter anderem mit dem Thema "Respekt" den gesellschaftlichen Umgang miteinander in den Fokus gerückt. Auch die weiteren inhaltlichen Schwerpunkte widmeten sich den Themen, die den Menschen auf den Nägeln brennen. Mit ihrer hohen Reichweite und haushaltsnahen Abdeckung seien die lokalen Wochenblätter prädestiniert, einen relevanten Beitrag zur Meinungs- und Willensbildung der Menschen im Nahbereich zu leisten.

BVDA-Vizepräsident Michael Simon, Svenja Stadler, MdB und Ralph Lenkert, MdB (v.l.n.r.). Foto: BVDA

Eggers betonte, dass es eine freie Presse, die dies alles leiste, nicht zum Nulltarif gebe – professioneller Journalismus müsse finanziert werden können. Die Plattformökonomie habe sich in den letzten Jahren einen großen Teil der Werbeeinnahmen gesichert, die den Medienhäuser jetzt fehlten, um die journalistische Qualität aufrechtzuerhalten. Speziell für Wochenblätter sei dies die einzige Erlösquelle. An die Politik adressierte der BVDA-Hauptgeschäftsführer deshalb: "Eine Zustellförderung für Wochenblätter und Tageszeitungen ist ein richtiger und notwendiger Weg – sie stärkt die Verlage, um weiterhin ihrem Auftrag nachkommen und ihren Transformationsprozess besser gestalten zu können. Und sie garantiert gleichzeitig die Unabhängigkeit der Redaktionen und damit auch die Staatsferne der Presse."

Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe "VITAL LOKAL" finden Sie hier.

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