Aus dem BVDA

BVDA-Herbsttagung: Anzeigenblätter bleiben zentral für Handelskommunikation

Kostenlose Wochenzeitungen sind nach wie vor ein wichtiger Baustein für die Angebotskommunikation des Handels. Darin waren sich die Handelsexperten an Tag zwei der digitalen Herbsttagung des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) einig. Die Verlage müssten sich verändern, dabei aber auch stets die eigenen Kompetenzen und Werte im Fokus behalten.

"Fakt ist: Der Handzettel funktioniert." Für Babak Kharabi, Geschäftsführer der KODi Diskontläden GmbH, ist der Prospekt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Haushalts- und Drogeriediscounters. Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Inflation würden Angebote für die Menschen noch wichtiger werden. "Wir dürfen den sozialen Aspekt der Angebotskommunikation in der Diskussion nicht außer Acht lassen", forderte er.

Auch die weiteren Teilnehmer der von BVDA-Geschäftsführer Sebastian Schaeffer moderierten digitalen Expertendiskussion waren sich einig: Angebotskommunikation über kostenlose Wochenzeitungen ist nach wie vor ein wichtiger Baustein im Handelsmarketing. Allerdings müsste sich die Branche vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen dringend verändern. "Wir müssen die tradierten Modelle unterstützen, so lange sie tragen. Wir müssen aber auch neue Geschäftsmodelle entwickeln", betonte Carsten Dorn, Geschäftsführer beim Vermarkter Score Media Group.

"Veränderung ist ein Muss"

Für den Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IfH), Boris Hedde, müssen die Produkte für die Handelskunden und Endverbraucher noch relevanter werden. "Die rein produktbezogenen Modelle werden auf lange Sicht nicht mehr funktionieren", stellte er fest. "Veränderung ist ein Muss. Dabei sollten sich die Verlage aber auf ihre Kernkompetenzen, wie Content und Regionalität, besinnen", so Hedde weiter.

Man müsse gemeinsam mit allen Beteiligten gute Komplettlösungen finden, unterstrich der COO des Vermarkters MEDIA Central, Ingo Wienand. Neben der Weiterentwicklung von cross-medialen Angeboten müssten die Anzeigenblätter auf ihre bisherigen Stärken setzen und diese weiter ausbauen.

"Ein Werbeverbot hätte weitreichende Folgen"

Forderungen von Kampagnenorganisationen nach einer Umkehr des Aufklebersystems für Haushaltswerbung erteilten die Experten dagegen eine klare Absage. "Ein Werbeverbot hätte weitreichende Folgen. Die Opt-In-Regelung wäre das Ende der Prospekte und damit von Innenstädten, die auf die zusätzliche wöchentliche Frequenz angewiesen sind", stellte KODi-Chef Kharabi fest. Dies gelte umso mehr, als eine solche Regelung auch für kostenlose Wochenzeitungen schädlich wäre. Und diese müssten neben ihrer ökonomischen Bedeutung für den Handel wegen ihrer gesellschaftlichen Rolle als Informationsmedium auch für die Menschen gerade in ländlichen Regionen unbedingt erhalten bleiben.

Best Practice aus den Verlagen

Im Anschluss an die digitale Podiumsdiskussion erhielten die zugeschalteten Teilnehmer einen direkten Einblick aus der Verlagslandschaft. Andreas Müller, Geschäftsführer des Medienhauses Aachen und BVDA-Vizepräsident, stellte gemeinsam mit der Expertin für Transformationsprozesse im Journalismus, Prof. Dr. Alexandra Borchardt, das europäische Programm Table Stakes Europe des europäischen Dachverbandes WAN-IFRA vor.

Einen weiteren Ansatz präsentierten Ulla Niemann, Bereichsleiterin bei der VRM GmbH und Mitglied des BVDA-Hauptausschusses, und Aidien Assefi von der anytips GmbH. Gemeinsam konnten sie erfolgreich Online und Offline-Kanäle über Affiliate Marketing verbinden und somit ein neues Erlösmodell für den Verlag erschließen.

Zeit für einen Mutausbruch

Den Abschluss des zweiten Tages der digitalen BVDA-Herbsttagung 2021 bildete die Keynote "Führungsstark im Wandel - Wie Sie herausfordernde Zeiten meistern" von Alexander Groth. Er fasste die Diskussionen der beiden Kongresstage pointiert zusammen: "Es ist Zeit für einen Mutausbruch. Gemeinsam können Sie es wagen!"

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