Herbsttagung des BVDA bewertet die Funktion der Anzeigenblätter im lokalen Raum
Über zweihundert Verleger und Geschäftsführer deutscher Anzeigenblätter diskutierten auf der BVDA-Herbsttagung in Saarbrücken die aktuelle Situation der Branche.
Der Tenor: Die jahrzehntelange lokale Kompetenz
der Anzeigenblätter sei das entscheidende Gattungsmerkmal, um sich
jetzt und künftig im Wettbewerb durchsetzen zu können.
Institut für Demoskopie Allensbach untersucht lokalen Markt
Die
Anzeigenblätter in Deutschland bedienen in sehr großem Maße das
Interesse der Deutschen am Lokalen, am Geschehen vor Ort. Ihre Leser
empfinden sie als relevant und kompetent. Dies sind Ergebnisse aus
teilstrukturierten Tiefeninterviews, die das Institut für Demoskopie
Allensbach (IfD) durchgeführt hat. Weiterhin helfen Anzeigenblätter
Bedürfnisse zu befriedigen – nach Marktübersicht, Preistransparenz,
Entdeckung neuer Produkte und Nutzenmaximierung des Einkaufsbudgets.
Diese Erkenntnisse stellte Dr. Johannes Schneller vom IfD beim
Anzeigenblattforum am zweiten Tag der BVDA-Herbsttagung vor.
Das
IfD führt zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem BVDA die Untersuchung
„Lokale Lebens-, Konsum- und Medienwelten“ durch. Die erste Stufe mit
teilstrukturierte Tiefeninterviews ist bereits abgeschlossen. In der
zweiten Stufe werden die wichtigsten Themen der ersten Stufe in die
quantitative Untersuchung überführt.
Besondere Bedeutung als
lokales Medium erhalten die Anzeigenblätter im Hinblick auf das
Interessengebiet „Lokales“. Laut Allensbacher Werbeträger Analyse 2009
gibt es hier ein überwältigendes Interesse; Lokales und Geschehen am
Ort sind die Nr. 1 vor weiteren 53 Interessengebieten: 88 Prozent aller
Deutschen ab 14 Jahren interessieren sich dafür.
Mediaplaner Thomas Koch bewertet Anzeigenblätter positiv
Thomas
Koch von der Düsseldorfer Mediaagentur Crossmedia fand in seinem
Vortrag „Quo vadis, Anzeigenblatt?“ positive Worte zur Kern-Kompetenz
der Wochenblätter: „Lokale Zeitung, lokales Direkt-Marketing-Angebot,
hoffentlich bald flächendeckend ergänzt um ein lokales Online-Angebot.
Alles zusammen bedeutet das eine Reichweite, eine Durchdringung, eine
Präsenz, eine lokale Kompetenz, mithin ein Angebot, das Ihnen kaum ein
anderes Medium streitig machen kann.“
Koch empfahl den
Anzeigenblattverlegern die Leistungen der Anzeigenblätter im Print
durch eine Onlinekomponente stärker zu ergänzen. Gleichzeitig
kritisierte er den Online-Tunnelblick vieler junger Mediaplaner. Die
Gattung Anzeigenblatt sei den meisten unbekannt.
Diese
Generation säße mittlerweile an den Schalthebeln der Werbemacht, als
Product Manager, Kreativer und Mediaplaner. Und entscheide dort über
den Media-Mix und die Mediapläne für ihre Kunden, so Koch. Sie alle
seien mit TV und Online groß geworden, läsen immer weniger
Zeitschriften – und erst recht keine Zeitung. Die Konsequenz müsse
sein, dieser Gruppe die sehr guten Leistungsdaten der Anzeigenblätter
zu vermitteln.
Aktuelle Entwicklung im Anzeigenblattmarkt
Zur Lage des Anzeigenblattmarktes in Deutschland erklärte der Präsident des BVDA, Helmut Gebauer:
„Die
Gattung Anzeigenblatt konnte im vergangenen Geschäftsjahr mit erstmals
mehr als 2 Milliarden Euro das beste Ergebnis ihrer Geschichte
erzielen. Als einziger großer Werbeträger ist es uns gelungen, gegen
den Trend zuzulegen. Dies wird sich im laufenden Geschäftsjahr nicht
wiederholen lassen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hinterlässt
ebenfalls Spuren in unserer Branche: Auch die Anzeigenblätter in
Deutschland werden in diesem Jahr mit einem Rückgang ihrer Werbeumsätze
konfrontiert werden. Dieser wird aber im Vergleich zu anderen
Mediengattungen deutlich geringer ausfallen.“
Von der neuen
Bundesregierung forderte Gebauer vernünftige Rahmenbedingungen für
einen fairen Wettbewerb: „Wir sind uns mit der gesamten Werbewirtschaft
einig, dass alle Werbeverbote und –beschränkungen, soweit sie keine
moralische oder sittliche Begründung haben, abzuschaffen sind und alle
Pläne zur Einführung neuer Begrenzungen aufgegeben werden müssen.“
Diese
Forderung gelte auch für die Aktivitäten der Deutschen Post AG mit
ihrem Produkt Einkauf aktuell. Zu einem fairen Wettbewerb gehörten auch
gleiche Wettbewerbsbedingungen. Staatlich beherrschte Unternehmen
sollten nicht privatwirtschaftlichen Unternehmen Wettbewerb machen
dürfen.
Die Mitgliederversammlung des BVDA hat zu diesem Thema
eine Resolution verabschiedet. Darin wird mit großer Entrüstung
festgestellt, „dass die Deutsche Post AG (DPAG) das von ihr
herausgegebene Werbeblatt "Einkauf Aktuell" in unerträglicher Weise als
Instrument im Bundestagswahlkampf zugunsten einer Partei bzw. Person
missbraucht hat.“
Aus Sicht des BVDA ist es mit dem Gebot der
Staatsferne der Presse unvereinbar, dass die Redaktion des von der DPAG
herausgegebenen Werbeträgers „Einkauf Aktuell“ mit der Bundeskanzlerin
ein Interview geführt hat, das dann in „Einkauf Aktuell“ am Samstag vor
der Bundestagswahl als Anzeige veröffentlicht wurde. Es handele sich
dabei um eine unzulässige Wahlhilfe und Verletzung des
Neutralitätsgebotes.
„Die Konsequenz aus diesem in der Tat nicht
hinnehmbaren Vorgang muss darin bestehen, dass die DPAG ihre
Printmedienaktivitäten auf das verfassungsrechtlich zulässige Maß
zurückfährt“, heißt es in der Resolution. Dieser Vorgang sei ein
weiterer Beleg dafür, dass die Grundsatzklage des BVDA gerechtfertigt
sei.
Nachwahl in den Hauptausschuss
Die
Mitgliederversammlung des BVDA wählte in den Hauptausschuss nach: Peter
Mallmann, Geschäftsführer der Panorama Anzeigenblatt GmbH, Düsseldorf,
und Haldun Tuncay, Geschäftsführer der WVW – Westdeutsche Verlags- und
Werbegesellschaft mbH & Co. KG, Essen. Sie folgen auf Klaus Büssow,
der seine Berufslaufbahn bei der WVW beenden wird. Gerd Kern,
Geschäftsführer der Panorama Anzeigenblatt GmbH, ist im vergangenen
Jahr verstorben.
„Durchblick“ – Preis für Bürger- und Verbrauchernähe
Die
Mitgliederversammlung des BVDA hat beschlossen, den BVDA-Preis
Durchblick zum fünften Mal auszuschreiben. Mit diesem Preis werden drei
Anzeigenblätter, die nach dem Urteil einer unabhängigen Jury durch
hervorragende Bürger- und Verbrauchernähe hervorgetreten sind.
Neben
den klassischen Ausschreibungsbedingungen wird für den „Durchblick“
2009 erstmals eine Kategorie „Sonderprodukte“ ausgeschrieben. Diese
muss Bestandteil einer regulären Ausgabe sein und die Innovation soll
im Vordergrund stehen.
Der BVDA stiftet vier Geldpreise in Höhe
von € 7.500, € 5.000 und € 2.500. Die Kategorie „Sonderprodukte“ ist
mit € 3.000 dotiert.
Der Einsendeschluss ist der 12. Februar
2010. Verliehen wird der Preis am 21. April 2010 anlässlich der
BVDA-Frühjahrstagung in Berlin.
BVDA Akademie
Das
Aus- und Weiterbildungsangebot der BVDA Akademie fußt mittlerweile auf
den thematischen Säulen: Redaktion, Marketing und Verkauf, Logistik
sowie Führung.
Ein Auszug aus dem Programmangebot: Im Bereich
Redaktion wird das Thema „Crossmedia“ stärker eingebunden. Im
Volontärskurs werden die Grundlagen dazu an einem ganzen Unterrichtstag
behandelt.
An der Ausbildung zum Mediaberater werden bis zum
Jahresende 250 Anzeigenverkäufer teilgenommen haben. Im kommenden Jahr
wird eine Ausbaustufe angeboten werden, die eine Ausbildung zum
Customer-Relationship-Manager ermöglicht.
Des Weiteren steht im
nächsten Jahr eine Ausbildung zum Logistikmanager auf dem Programm. Sie
ist modular aufgebaut wie bei den Mediaberatern und schließt auch mit
einer Zertifizierung ab.
Das konkrete und geplante Angebot
zeigt: Die BVDA Akademie verfolgt weiterhin konsequent den von ihr
erfolgreich eingeschlagenen Weg eines breit gefächerten und auf
anzeigenblattspezifische Qualifikation ausgerichteten Bildungsangebotes.
Gala-Abend
Mehr
als 200 Teilnehmer an der BVDA-Herbsttagung waren der Einladung der
Saarländischen Wochenblatt Verlagsgesellschaft als Gastgeber zu einem
Gala-Abend in die Gebläsehalle des Weltkulturerbes Alte Völklinger
Hütte gefolgt. Zu den Gästen zählte neben Entscheidern aus der
Medienbranche auch der saarländische Ministerpräsident Peter Müller und
der ehemalige Intendant des WDR Friedrich Nowottny. Für die
kulinarischen Akzente des Abends sorgte die luxemburgische
Sterne-Köchin Lea Linster.
Friedrich Nowottny bewertete die
Macht der Medien und analysierte die Ergebnisse der jüngsten
Bundestagswahl und der Landtagswahlen.
Ministerpräsident Peter
Müller betonte in seiner Rede, die Anzeigenblätter seien ein
"wesentliches Element einer intakten Presselandschaft". Ohne sie sei
diese Presselandschaft unvollständig. Anzeigenblätter hätten eine
"Informationsdichte, die wir in anderen Medien nicht feststellen
können". Sie zeichne die höchste Reichweite aller Presseerzeugnisse
aus.
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